International Standing Conference for the History of Education (ISHE 47)
Konferenz: International Standing Conference for the History of Education (ISHE 47) “Sources and Research Practices in the History of Education: Challenges and Perspectives”
Vortragstitel: “The Source's Preponderance: Rethinking Historical Epistemology Through Heterogeneous Materials - Or: shall we spit on Michel?”
Ort: School of Philosophy, National and Kapodistrian University of Athens
Datum: 15.07.-18.07.2026
Teilnehmende: Kruscha, Anna-Sophie/Labuwy-Stark, Lena/Polcik, Thassilo/Yilmaz, Nergis
Anlass des Preformed Panels war die als übergeordnetes Tagungsthema gestellte Frage, wie “etablierte historiographische Traditionen durch innovative Quellennutzung in Frage gestellt oder neu konfiguriert werden”. Unser Antwortversuch nahm seinen Ausgang von der “methodologischen Katastrophe” (Casale), welche Foucaults Neukonzeption des Archivs der Historiographie hinterlassen hat. Statt allerdings in Anlehnung an Carla Lonzi auf ihn zu ‘spucken’, versuchten wir, Foucault erkenntnistheoretisch und methodologisch in einen produktiven Dialog mit Adornos transdisziplinärem Theorem des ‘Vorrang des Objekts’ zu bringen. Dies bildete die gemeinsame Klammer unserer Vorträge und war Produkt mehrmonatiger Diskussionen am Arbeitsbereich.
Im Eröffnungsvortrag unseres Panels mit dem Titel Beyond the Expansion of the Archive. Methodological Reflections on Early Foucault in Historical Educational Research erörterten wir zu viert die Frage, warum Foucault die Historiographie vor ein ungelöstes methodologisches Problem gestellt hat, wenn der unterschiedliche epistemische Status heterogener Quellen durch eine Neujustierung des Archivs nivelliert wird. Im zweiten Vortrag mit dem Titel The Epistemic Status of Heterogenous Sources in the Historiography of Higher Education: Two West German Case Studies konkretisierten Lena Labuwy-Stark und Thassilo Polcik dieses Problem anhand institutioneller, administrativer, philosophischer und interviewbasierter Quellen. Abschließend diskutierten Nergis Yilmaz und Anna-Sophie unter dem Titel When Knowledge Fractures: Literary Sources and Historical Epistemology die Frage, warum literarische Quellen dieses Problem zuspitzen und zeigen, dass historische Erkenntnis aus der Spannung zwischen epistemisch unterschiedlichen Quellen entsteht und nicht aus ihrer Synthese.
Der Austausch mit einem sehr internationalen Kreis an Kolleg:innen aus der historischen Bildungsforschung (u.a. Schweiz, Brasilien, Mexiko, Australien, Philippinen, Japan) war nicht nur wissenschaftlich wie persönlich sehr anregend, sondern die fruchtbare Diskussion unserer gemeinsamen methodologischen Überlegungen wie unserer einzelnen Promotions- und Postdoc-Projekte hat uns wegweisende Impulse gegeben.
Die Reise nach Athen werden wir in bester Erinnerung behalten. Dem ZGS wie dem Arbeitsbereich Allgemeine Erziehungswissenschaft / Theorie der Bildung danken wir herzlich für die finanzielle und institutionelle Unterstützung!